Zur 22. Austragung des traditionellen Donauopens bei Freunden in Aschach an der Donau kamen auch heuer wieder 255 Schachfreunde aus vielen Nationen. Im A-Turnier spielen 98, davon fünf GM, sieben IM und 10 FM. Die Startliste wird vom Sieger des Jahres 2011 GM Nikola  Sedlak (2576) aus Serbien angeführt, der aber sofort in der ersten Runde mit den weißen Steinen ein Remis gegen Radek Turner (2085) hinnehmen musste – nicht der optimale Auftakt für die Aktion Titelverteidigung, aber auch noch kein Beinbruch. Besonderes Augenmerk möchte ich auf die junge Dame Zhansaya Abdumalik (2342) aus Kasachstan legen, die heuer im Herbst in der Türkei im Alter von 13 Jahren bei der U-20 Jugendweltmeisterschaft http://wjcc2013.tsf.org.tr/en/component/turnuva/?task=fileview&kid=15 den 2. Rang belegte. Die als Nummer 18 gesetzte Dame reist als Siegerin des Open von Brünn im November in Aschach an.

Ein wunderschöner – fast hätte ich Frühlingstag geschrieben – in Aschach. Aber auch bei Schönwetter sind Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu spüren. Ein Schweizergambit kann man sich nicht mehr so locker leisten, dachte die Nummer 1 GM Sedlak Nikola und spielte daher die günstigere Variante – das Schweizergambit in Raten: Remis in Runde 2 nach langem harten Kampf gegen die Nummer 90 des Turniers. Ansonsten lief es eher für die Favoriten, was den Vorteil hatte, dass viele bald das Essen genießen konnten und die Zeit für einen Spaziergang an der schönen blauen Donau nutzen konnten. Die Damen-Vizeweltmeisterin Abdumalik machte ebenfalls mit ihrem Gegner kurzen Prozess.

Ob das schöne Wetter die Schachspieler friedlicher stimmte oder ob es einfach daran lag, dass sich die Spielstärken annäherten, man kann es nicht sagen, jedenfalls brach auf den vorderen Brettern eine Remisepidemie aus. Nicht aber dass Sie lieber Leser glauben, da wurde aus konditionellen Gründen am Nachmittag der Doppelrunde bequem Remis geschoben – nein da waren Stellungen dabei da wurde der Krennwurzn allein vom Zusehen schon ganz schwammig vor den Augen und die Hände begannen zu zittern. Für die Ausnahmen sorgten als Außenseiter auf Brett 2 und 8 IM Stefan Mazur und IM Josef Jurek und für den ersten Favoritensieg sorgte IM Andreas Diermair auf Brett 7. Nur mehr vier IM (Diermair, Jurek, Mazur und Fröwis) haben noch eine weiße Weste und da die morgen aufeinandertreffen, bleiben maximal zwei Mister 100% über. Im B-Turnier führen ohne Punkteverlust die Nummer 11 Fugger vor der Nummer 13 Arztmann – weiters folgt die Nummer 14 Kerschbaumer vor der Nummer 23 Dominik Ly. Einzig die Nummer 9 Zunghammer hat von den Einstelligen weniger als Punkten Rückstand auf die Spitze.

Schach an sich gilt ja schon als kompliziertes Spiel, aber wie ein Fotograph im Analysebereich festhalten konnte, ist zweidimensionales Schach für machen nicht schwierig genug und stellte folgendes Problem auf den Tisch. Die Frage ist nun, welche Figuren können ziehen, ohne die Stellung zusammenbrechen zu lassen. Neben Mister spockischen Verstand benötigt dies auch die ruhige Hand eines Chirurgen, um den Zug tatsächlich auszuführen.

Auf den ersten drei Brettern wurden die Punkte geteilt – allerdings nicht schnell, sondern doch nach härteren Kämpfen. Dahinter folgten schwierige Partien für die Elofavoriten, denn die Startnummer 18 WIM Zhansaya Abdumalik schlug mit den weißen Steinen die Nummer 8 IM Milan Pacher und am Brett dahinter schlug die Startnummer 21 IM Josef Jurek mit den schwarzen Steinen die Startnummer 1 GM Nikola Sedlak, der sich daraufhin vom Turnier abmeldete. Nach dem Schweizergambit auf Raten in den ersten beiden Runden, konnte sich der Gewinner von 2011 keinen Punkteverlust mehr leisten, riskierte zu viel und es ist schön zu sehen, dass auch starke Spieler verlieren, wenn sie Remisstellungen unbedingt gewinnen wollen und dann blind für die Risiken, werden, die überall lauern. Ebenfalls aus dem Titelrennen sein dürfte der Vorjahressieger FM Lukas Handler, der gegen die Nummer 3 GM David Arutinian verlor.

Die Partien auf den beiden vorderen Brettern endeten heute nach heftigem Kampf Remis – sodass IM Diermair , WIM Abdumalik und IM Jurek bei fünf Punkten halten. Allerdings konnten dadurch GM Popovic und GM Krejci jeweils mit Weißsiegen zum Führungstrio aufschließen und aus diesem Kreis wird der Turniersieger 2013 kommen. Die besten Karten hat IM Diermair, der mit einem Schwarzsieg gegen GM Jan Krejci den Turniersieg sicherstellen könnte – allerdings zeigte GM Krejci schon 2010 Nervenstärke und gewann die entscheidende Partie gegen Eva Moser und sicherte sich damit den Turniersieg. Allerdings reicht heuer ein Sieg allein nicht mehr für ihn zum sicheren Turniersieg, denn er muss hoffen, dass IM Josef Jurek mit den schwarzen Steinen nicht gegen den jungen Österreicher IM Peter Schreiner gewinnt. Ebenso könnte sich die junge Dame aus Kasachstan WIM Zhansaya Abdumalik mit einem Sieg gegen die Nummer 2 GM Dusan Popovic noch ins Spiel um den Turniersieg bringen, der aber seinerseits mit einem Sieg auch noch nicht aus dem Rennen wäre, wenn … ja ich höre die Spannung schon knistern…

Wie zu erwarten war, wurde heute auf der Bühne hart gekämpft – nur auf Brett 14 abseits der Chancen auf Preisgeldränge gab es nach einer halben Stunde ein schnelles Remis. Nach über zwei Stunden war dann auf Brett 12 das nächste Remis zu vermelden. Später endet dann Brett 2 GM Jan Krejci gegen IM Andreas Diermair remis und IM Josef Jurek verlor gegen IM Peter Schreiner, sodass die Entscheidung über den Turniersieg am ersten Brett fallen musste. GM Dusan Popovic konnte ein paar Ungenauigkeiten der 13jährigen WIM Zhansaya zu einem Schwarzsieg und damit zum alleinigen Turniersieg mit 6 Punkten ausnutzen. Auf dem zweiten Platz landete auch heuer mit IM Andreas Diermair wieder ein junger Österreicher vor dem Sieger von 2010 GM Jan Krejci der als Dritter das Podium komplettierte.